Wo die Stille gehütet wurde
Es gibt Neuigkeiten. Von der Art, die man spürt, bevor man sie ganz begreift.
David hat ein neues Album angekündigt — klassisch, für das legendäre gelbe Label, die Deutsche Grammophon. Es heißt Immortal. Noch keine Trackliste, kein Cover, kein Datum außer einem: Der Rest bleibt bis zum 24. Juni unter Verschluss. Vorerst hat er uns nur zwei Fenster gegeben, durch die wir blicken dürfen — und der Raum hinter dem jüngsten sagt alles darüber, wie sich diese Musik anfühlen soll.
Ein Wort wie Immortal legt die Latte unmöglich hoch — und doch lernt man bei David, nie etwas vorauszusagen. Er geht immer weiter als alles, was man sich hätte vorstellen können. Weit darüber hinaus. Und jedes Mal lässt er einen voller Staunen zurück. Dieser erste Ausschnitt ist schon der Beweis.
Sieh dir den jüngsten Ausschnitt an, und du wirst es sehen: ein einzelner Flügel, allein in einem riesigen, zerfallenen Saal. Putz, der von den Wänden bröckelt. Ein großes Bogenfenster, das kaltes Tageslicht auf den Boden gießt. Filmscheinwerfer, die wie geduldige Zeugen stehen. Und über allem erhebt sich — Puccini. Nessun dorma.
Denn der Saal ist wirklich, und er hat einen Namen: die alte Lungenheilstätte am Grabowsee, in den Wäldern nördlich von Berlin. 1896 wurde sie als ein Ort der Stille erbaut — eine ganze kleine Stadt aus Pavillons, mit eigener Kapelle, eigenem Theater und eigener Schule, errichtet an einem stillen See, damit die Kranken ruhen, atmen und genesen konnten. Dann verdüsterte die Geschichte sie: Die SS übernahm sie, sowjetische Truppen hielten sie jahrzehntelang, und als sie endlich abzogen, bekamen Wald und Regen die Schlüssel. Dreißig Jahre steht sie nun leer — schön und verfallen, wie es nur verlassene Orte sein können.
Nichts hier ist Zufall. Man trägt nicht versehentlich einen Flügel der Deutschen Grammophon in eine einstürzende Heilstätte. Ein Ort, errichtet um die Stille — um die Ruhe, um den angehaltenen Atem derer, die auf Genesung warteten — und hinein bringt, ein Jahrhundert später, jemand die Musik und weigert sich, sie still zu lassen. Die Aura tut den Rest. Die rissigen Wände, das kalte Licht, der in der Luft schwebende Staub: Sie sind keine Kulisse. Sie sind Teil des Instruments.
Und so bilden die beiden Ausschnitte des Albums ein seltsames, vollkommenes Paar. Zuerst das Perpetuum Mobile von Ottokar Nováček — geteilt aus einer Probe bei ihm zu Hause in Berlin, dieser atemlose kleine Sturm aus Noten, der nie innehält, um zu ruhen. Und nun Puccinis große Hymne an den anbrechenden Morgen, aus diesem verfallenen Saal am See. Zwei Stücke, zwei Räume. Bewegung und Stille, der Lauf und das Gebet. Wir wissen noch nicht, was sie verbindet — nur, dass ein Album namens Immortal sie zusammenführt.
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Den Rest behält er noch eine Weile für sich. Und das fühlt sich richtig an. Manche Dinge sollten langsam kommen, so wie das Licht durch ein zerbrochenes Fenster kommt — ein kalter, goldener Strahl nach dem anderen.
— The Strings Society