7-mal hat David Garrett klassische Musik in einen Rocksong verwandelt
Auf seinen Crossover-Alben coverte er deshalb nicht einfach nur Rocksongs — er schweißt sie oft an ein klassisches Stück oder arrangiert ein klassisches Schlachtross mit Rockenergie neu. Hier sind sieben Momente, in denen die Nähte zwischen den Jahrhunderten die Hauptarbeit leisten.
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- „Vivaldi vs. Vertigo“ — Winter trifft U2. Der buchstäblichste Mashup in seinem Katalog. Auf Rock Symphonies (2010) eröffnet David mit einem Track, der den Anfang von Vivaldis „Winter“-Konzert aus den Vier Jahreszeiten mit U2s „Vertigo“ verschmilzt. Zwei Stücke, 280 Jahre voneinander getrennt geschrieben, die dieselbe nervöse, treibende Energie teilen — und Davids Arrangement macht das in etwa zehn Sekunden offensichtlich. Wenn Sie seine These in einem einzigen Track hören wollen, fangen Sie hier an. \n
- „The 5th“ — Beethoven wird rockig. Ebenfalls auf Rock Symphonies: eine komplette Neuinterpretation von Beethovens Fünfter Sinfonie mit Rockband. Diese vier ikonischen Eröffnungsnoten — ta-ta-ta-TAA — entpuppen sich als das metallischste Motiv, das je von einem Mann mit gepuderter Perücke geschrieben wurde. David zieht Beethoven nicht so sehr eine Lederjacke an, als dass er darauf hinweist, dass die Jacke immer schon da war.
- „Toccata“ — Bach mit Backbeat. Bachs Toccata und Fuge in d-Moll liegt ohnehin schon ziemlich nah am Heavy Metal (versuchen Sie ruhig, das Gegenteil zu behaupten). Davids Version auf Rock Symphonies geht voll darauf ein und behandelt sie als den Rocktrack, der sie heimlich schon immer sein wollte. Es ist eine großartige Antwort an jeden, der meint, klassische Musik könne kein Riff haben. \n
- „Asturias“ — Flamenco-Feuer auf der Violine. Albéniz schrieb Asturias 1892 für Klavier und beschwor darin die Rhythmen der spanischen Flamenco-Gitarre. Davids Version tauscht das Klavier (und die später entstandenen Gitarrenadaptionen) gegen verstärkte Violine und Rockband-Orchestrierung. Es ist ein großartiges Beispiel dafür, dass seine Arrangements eben nicht nur „klassisches Stück plus Schlagzeug“ sind — sie greifen nach der jeweiligen musikalischen Tradition, die zum Geist der Vorlage passt. \n
- „Smells Like Teen Spirit“ — Nirvana durch die klassische Linse. Davids Cover von Nirvanas Grunge-Hymne ist wahrscheinlich sein meistgesehener Crossover-Moment — bekanntermaßen spielte er es 2011 bei der Royal Variety Performance. Was es interessant macht, ist nicht nur „Geiger spielt Nirvana“. Es ist die Art, wie er Kurt Cobains Gesangslinie phrasiert: mit der dynamischen Formung und Atmung eines klassischen Solisten, der die Melodie wie eine Arie behandelt. Die Verzweiflung bleibt. Die Phrasierung verändert alles. \n
- „Kashmir“ — Led Zeppelins östliche Modi treffen auf ein Streichorchester. Led Zeppelins „Kashmir“ griff bereits auf nicht-westliche Tonleitern und orchestrale Erhabenheit zurück. Davids Arrangement auf Rock Symphonies lehnt sich in die orchestrale Hälfte hinein und lässt die Streicher das berühmte Riff mit dem Gewicht einer Filmmusik tragen. Es ist eine nützliche Erinnerung daran, dass Zeppelin selbst klassik-affin waren — Davids Version führt den Gedanken nur zu Ende. \n
- Das ganze Garrett vs. Paganini-Konzept. Nachdem er Paganini im Biopic Der Teufelsgeiger 2013 gespielt hatte, veröffentlichte David Garrett vs. Paganini — ein Album, das Paganinis tatsächliche Werke (Caprice Nr. 24, La Campanella, Carnival of Venice) neben Crossover-Tracks mit Andrea Bocelli und Nicole Scherzinger stellt. Der Rahmen ist der ganze Punkt: Shred-Virtuose des 19. Jahrhunderts gegen Pop-Klassik-Star des 21. Jahrhunderts, behandelt als dieselbe Tradition. Paganini war der Rockstar seiner Ära — Davids Argument ist, dass sich nicht wirklich viel verändert hat.
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In einem Essay für Classic FM aus dem Jahr 2012 legte David die Überlegungen hinter all dem dar. Er sieht sich in einer Linie — Paganini, Wieniawski, Sarasate, Kreisler — von Violinvirtuosen, die ihre Karriere darauf aufbauten, sich populäre Melodien ihrer Zeit zu leihen und sie zu veredeln. Nach seiner Lesart nutzten die großen Virtuosen des 19. Jahrhunderts häufig populäre Melodien als Grundlage für viele ihrer Kompositionen. Er tut nur dasselbe mit der populären Musik unserer Zeit.
Das rückt seine Rockarrangements vollkommen in einen anderen Rahmen. Sie sind keine Gimmick und kein Ausverkauf eines klassischen Spielers — sie sind ein zutiefst traditioneller Zugang zur Violin-Bühnenkunst, nur gerichtet auf Metallica statt auf Volkslieder.
Wenn Sie also das nächste Mal Rock Symphonies oder Rock Revolution auflegen, hören Sie mit einem Ohr in jedem Jahrhundert. Die Mauer zwischen „ernster“ und „unterhaltsamer“ Musik erweist sich als dünner, als man Ihnen je gesagt hat.
— The Strings Society Editorial Team