S The Strings SocietyAuf den Saiten geschrieben
Interview

Die Stimme, in der du denkst

Ein Gespräch mit dem Cellisten Emanuel Graf — über die Stille, einen Stradivari von 1690 und die Nacht in Salzburg, die mich bis heute nicht loslässt.
Emanuel Graf
Foto: Sven Hannes

Die Wahrheit ist: Wenn man etwas spürt und es einen nicht mehr loslässt, dann muss man dem nachgehen. Man muss ihm Raum geben, es nähren, es wachsen lassen.

Genau das ist mir letztes Jahr in Salzburg passiert, beim KlangBlickMomente-Benefizkonzert im Großer Saal der Internationale Stiftung Mozarteum. Und diese Nacht lässt mich bis heute nicht los.

Ein ehrliches Geständnis: Ich war wegen David dort. Aber — und es gibt immer ein Aber — ich wurde in etwas so Tiefes und Unerwartetes hineingezogen, dass es mich vollkommen überwältigt hat. Fragt meine Komplizinnen und Komplizen: Ich konnte nach dem Konzert eine sehr, sehr lange Zeit kein Wort sagen. (Und glaubt mir, ich kann reden. 😛) Ich konnte nicht verarbeiten, was ich gerade erlebt hatte, und vor allem konnte ich die Flut an Gefühlen nicht zurückhalten, die mich in diesem Saal überrollte.

Warum?, werdet ihr fragen.

Das ist der Grund. Und deshalb hoffe ich, dass ihr, wenn ihr das hier lest, alles daransetzt, Karten für das diesjährige Konzert im September zu bekommen. Glaubt mir — es wird sich lohnen.

Jedes Mal, wenn man eines von Davids klassischen Konzerten besucht, weiß man, dass irgendetwas mit einem geschehen wird. Dieses Gefühl kennen wir inzwischen. Aber dieses Mal war es anders.

Vielleicht lag es am romantischen Zauber von Salzburg. Vielleicht am prachtvollen Mozarteum-Saal, ganz in Gold und Weiß. Mit Sicherheit lag es am Bewusstsein für die Sache — Kinder, die gegen den Krebs kämpfen, und die Familien, die ihnen niemals von der Seite weichen. Der Abend war schon schwer von Gefühl, bevor auch nur ein einziger Ton erklang.

Doch dann, als ich dort war, übertraf es jede Erwartung. Tief und schmerzhaft. Beglückend und überwältigend. Wahr. Erschütternd. Wunderschön.

Und all das geschah mit mir, noch bevor David überhaupt die Bühne betrat.

Ein Künstler, von dem ich gehört, den ich aber nie live erlebt hatte, trat nach vorne. Eine imponierende Gestalt — und doch ein Gesicht und ein Lächeln, das mich auf den ersten Blick entwaffnete. Ein Stradivari-Cello in den Händen und eine Stimme, die zugleich Emotion und Gelassenheit trug.

Emanuel Graf stand vor mir.

Ich war überglücklich, ihn endlich live spielen zu hören — aber ich war nicht auf das vorbereitet, was als Nächstes kam. Bevor er Der Schwan aus Saint-Saëns’ Der Karneval der Tiere ankündigte, teilte Emanuel eine Geschichte mit dem Publikum. Ich werde sie hier nicht wiederholen — verzeiht mir. Sagen wir nur, sie war auf furchtbare Weise mit dem Grund verbunden, aus dem wir an jenem Abend alle dort waren: ein kleines Mädchen, ein Kampf und ein Ende, das niemand jemals ertragen sollte.

Emanuel Graf
Foto: Sven Hannes

Diese Geschichte und das leise Zittern in seiner Stimme, noch bevor er auch nur zu spielen begonnen hatte — irgendetwas verschob sich. Es veränderte alles für mich. Ich vergaß das Spektakel und ließ mich in die Emotion des Augenblicks hineinziehen. Es verlieh allem, was folgte, eine so greifbare Bedeutung, dass ich noch heute ohne Zögern sagen kann: Salzburg war das bewegendste Konzert meines Lebens. (Und ich war auf vielen!)

Das ganze Publikum war in Tränen. Ich sah erwachsene Männer in ihren Anzügen, die sich nicht mehr beherrschen konnten. Und als das Stück mit einem Schwung von Emanuels Bogen endete — nach einer Stille, die sich endlos zu dehnen schien — brach der Saal in tosende Standing Ovations aus. Es fühlte sich an wie eine Erlösung. Ein Abfallen jenes wunderschönen, schmerzhaften Etwas, das Emanuel uns weitergegeben hatte, direkt aus seinen Händen in unsere Kehlen.

Also das ist der Grund, warum wir hier sind.

Weil ich dieses Gefühl, diesen Augenblick, diese Nacht niemals vergessen könnte. Oder Emanuel Graf.

Ich habe ihn kontaktiert und gefragt, ob er zu einem Interview bereit wäre — er steht diesen 12. September wieder auf der Bühne, für die Ausgabe 2026 des KlangBlickMomente-Benefizkonzerts in Salzburg (wir haben hier darüber gesprochen).

Und er sagte ja.

Hier ist das vollständige Interview. Warm, vergnüglich, tiefgründig. Ein Einblick in Emanuel, den er so freundlich mit uns geteilt hat, mit jener natürlichen Note, die ich lieben gelernt habe.

Und ganz unter uns … dieser Mann muss außergewöhnlich sein. Tiefgründig und doch geerdet. Scharfsinnig und doch warmherzig. Und vergnüglich. Ein echtes Juwel. 😊

Ich bin so froh, dass wir dieses Interview unter Dach und Fach gebracht haben. Danke, Emanuel — vielen, vielen Dank, dass du uns erlaubt hast, dich besser kennenzulernen, in deinen eigenen Worten.

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Die Stille

The Strings SocietyWenn der Konzertsaal plötzlich vollkommen still wird — wenn man spürt, wie der ganze Raum den Atem anhält —, was geschieht in diesem Moment eigentlich in Ihnen? Nehmen Sie es wahr, während Sie spielen, oder erst danach?

Emanuel GrafIch liebe diese Stille. Diese unglaubliche, kollektive Konzentration von Hunderten von Menschen, die sich alle im selben Augenblick auf einen einzigen Punkt richten — das ist eine Energie, die man fast körperlich spüren kann. Es fühlt sich an wie ein leises Summen in der Luft. Während ich spiele, bin ich mir dessen bereits bewusst, aber ich denke nicht darüber nach. Es trägt mich. Es ist, als würde der Saal mit mir atmen. Erst danach, wenn der letzte Ton verklungen ist und es noch diesen winzigen Moment absoluter Stille gibt, bevor der Applaus losbricht — in diesem Bruchteil einer Sekunde wird mir wirklich bewusst, was gerade geschehen ist. Dann kommt dieses leise „Wow … das war etwas Besonderes.“ Manchmal denke ich: Wir haben gerade gemeinsam etwas geschaffen, das größer war als die Summe aller Menschen im Raum. Das ist einer der schönsten Momente, die unser Beruf zu bieten hat.

Die Stimme & die Berufung

The Strings SocietyWann hörte das Cello auf, nur ein Instrument zu sein, das Sie spielen, und wurde zur Stimme, in der Sie denken? Gab es einen einzigen Moment, oder geschah es nach und nach?

Emanuel GrafEs kam nach und nach — wie die meisten wirklich wichtigen Dinge im Leben. Am Anfang geht es einfach darum, diesem sperrigen Kasten einen anständigen Ton zu entlocken. Man kämpft mit der Intonation, mit dem Bogen, mit dem eigenen Körper. Dann, ganz langsam, verändert sich etwas. Der singende Ton wird zur Lebensaufgabe. Und plötzlich merkt man: Das Cello ist nicht länger etwas, das man bedient — es wird zur Stimme, in der man denkt. Besonders faszinierend ist, wie man sich selbst hört. Oft singt es bereits in mir, lange bevor der erste Ton im Saal erklingt. Die hörbare Wirklichkeit ist dann meist nur die Übersetzung dessen, was ich in mir schon deutlich gehört habe. Und ich bin überzeugt: Die beste Schule für jeden Instrumentalisten ist es, große Sängerinnen und Sänger live zu erleben. Sie zeigen uns, was wahre Gesangskunst ist — diese natürliche, atmende Linie, diese direkte Verbindung zwischen Emotion und Klang. Das versuche ich noch heute jeden einzelnen Tag in mein Spiel zu bringen.

The Strings SocietyDer Schwan ist eines der meistgespielten Stücke der Welt. Wie finden Sie jedes Mal Ihren eigenen Schwan — wonach suchen Sie, das der Zuhörer vielleicht nicht einmal bewusst wahrnimmt? Und gibt es für Sie einen Unterschied zwischen einem Stück, das einen Saal verzaubert, und einem, das ihn leise zerbricht?

Emanuel GrafOh ja, absolut! Es gibt Stücke, die faszinieren — und es gibt Stücke, die berühren. Der Schwan gehört für mich ganz klar in die zweite Kategorie. Jedes Mal, wenn ich ihn spiele, suche ich nach dieser ganz besonderen Mischung aus majestätischer Würde und großer innerer Verletzlichkeit. Die äußere Klarheit und Schönheit der Linie muss da sein — aber darunter sollte etwas leise vibrieren, eine Art stilles Weinen, das man mehr fühlt als hört. Das sind oft winzige Details: ein kaum merkliches Zögern, eine leichte Färbung des Tons, ein Atemzug, der einen Sekundenbruchteil länger dauert. Dinge, die der Zuhörer vielleicht nicht bewusst benennen kann, die ihn aber mitten ins Herz treffen. Gerade bei Stücken, die man sehr oft spielt, liegt die eigentliche Kunst darin, sich immer weiter vom eigenen Ego zu entfernen. Nicht lauter, schneller oder sentimentaler — sondern tiefer. Ruhiger. Ehrlicher.

Der große Unterschied liegt zwischen Faszination und Berührtsein.
Das Instrument

The Strings SocietySeit 2022 spielen Sie „L’Évêque de La Rochelle“, einen Stradivari von 1690. Wie fühlte es sich an, als Sie zum ersten Mal einem Instrument einen Ton entlockten, das bereits mehr als drei Jahrhunderte Leben in sich trägt?

Emanuel GrafEs wird ein Moment in meinem Leben bleiben, den ich nie vergessen werde. Es war Liebe auf den ersten Klang.

The Strings SocietyHaben Sie das Gefühl, dass Sie das Instrument spielen — oder dass Sie mit ihm im Gespräch sind? Fordert es im Gegenzug etwas von Ihnen — und wie würden Sie seine Stimme jemandem beschreiben, der sie immer nur über eine Aufnahme hören wird?

Emanuel GrafBeides. Ich spiele es, und zugleich führe ich einen Dialog mit ihm. Mit einem Instrument wie meinem Stradivari ist man als Musiker unglaublich inspiriert. Allein das enorme Obertonspektrum öffnet Türen zu Klangwelten, die man mit einem jüngeren Instrument schlicht nicht erreicht. Es zwingt mich buchstäblich, feiner zu denken — über die Artikulation, über die Verbindung zwischen den Tönen, über die kleinsten Farbnuancen. Das Cello verlangt von mir absolute Präsenz und Ehrlichkeit. Wenn ich nur „spiele“ und nicht wirklich höre, bestraft es mich sofort mit einem flachen oder widerspenstigen Ton. Seine Stimme? Sie ist dunkel, warm und edel, mit unglaublicher Tiefe und einem ganz besonderen, leicht rauchigen Timbre. Man kann beinahe 340 Jahre Geschichte darin hören — und zugleich etwas sehr Lebendiges, fast Menschliches. Kein glatter, perfekter Klang, sondern einer mit Charakter, mit Seele und mit ein paar ganz feinen Kratzern, die ihn wirklich lebendig machen. Manchmal habe ich das Gefühl, das Cello sagt zu mir: „Du darfst heute führen, aber vergiss nie, dass ich schon viel länger hier bin als du.“

Emanuel Graf
Foto: Frank Schroth
Der Erbauer

The Strings SocietyWas wir an Ihnen so selten finden, ist, dass Sie nicht nur auftreten — Sie bauen auch auf. Gemeinsam mit Ihrer Familie haben Sie das Kulturzentrum 3Klang bei Freiburg gegründet, wo Musik auf Literatur, Tanz und Malerei trifft. Was fehlte Ihnen im gewöhnlichen Konzertleben, das Sie einen eigenen Ort schaffen ließ?

Emanuel GrafIn meiner Familie sind alle musikverrückt: Beide Eltern sind Cellisten, meine Schwester ist eine fantastische Geigerin. Musik war bei uns zu Hause nie nur „Arbeit“ — sie war immer der Mittelpunkt des Lebens. Der eigentliche Impuls für 3Klang kam vor allem von meiner Mutter, Barbara Graf. Sie hatte diesen starken inneren Antrieb, einen Ort zu schaffen, an dem die verschiedenen Künste wirklich zusammenkommen — nicht nur nebeneinander stattfinden, sondern sich gegenseitig wahrhaftig befruchten. Was mir im normalen Konzertleben oft fehlte, war genau das: echte Begegnung. Man spielt sein Konzert, erntet Applaus und fährt wieder nach Hause. Alles ist sehr schön, sehr professionell — und doch irgendwie steril. Mir fehlte der Raum, in dem Gespräche nach dem letzten Ton weitergehen, in dem ein Dichter und eine Tänzerin mit Musikern sprechen können, in dem Malerei und Klang einander inspirieren. 3Klang ist unser Versuch, genau diesen Raum zu schaffen: lebendig, neugierig und ein wenig chaotisch — eben wie das wahre Leben.

The Strings SocietyUnd Cellifamily — zwölf Cellistinnen und Cellisten aus aller Welt. Was geben Ihnen zwölf Celli in einem Raum, das nichts anderes Ihnen geben kann? Und was reizt Sie daran, andere Spieler zu fördern, statt nur selbst aufzutreten?

Emanuel GrafCellifamily ist etwas ganz Besonderes für mich. Zwölf Celli in einem Raum erzeugen einen Klang, den man sonst nirgendwo findet — ein riesiger, warmer, fast symphonischer Teppich, der zugleich unglaublich intim bleibt. Es ist, als tauche man in einen kollektiven Herzschlag ein. Man hört nicht nur sich selbst, man spürt sofort, wie der eigene Ton mit den anderen verschmilzt. Das ist musikalisch bereichernd, aber auch zutiefst menschlich. Was mich am meisten reizt, ist das Weitergeben. Es war immer ein großes Bedürfnis von mir, meine Erfahrungen und Erkenntnisse an jüngere Cellisten weiterzugeben. Vielleicht kommt das aus der Familie — der Name „Cellifamily“ ist übrigens Programm: Zeitweise lebten sieben professionelle Cellisten gleichzeitig in unserem Haus. Man lernt früh, dass Musik am schönsten ist, wenn man sie teilt. Allein auf der Bühne zu stehen ist wunderbar, aber auf Dauer ist es ein wenig egoistisch. Anderen zu helfen, ihren eigenen Weg und ihren eigenen Klang zu finden, macht mich mindestens genauso glücklich.

Die erste Stimme

The Strings SocietySie haben brandneue Werke uraufgeführt, darunter Stücke von Georg Friedrich Haas. Wie ist es, die allererste Stimme zu sein, die ein neues Musikstück je hatte — keine Aufnahme, keine Tradition, nichts, woran man sich halten kann, nur Sie und das Notenblatt?

Emanuel GrafEs ist pures Abenteuer, mit einem Hauch von Panik. Man wird plötzlich zum Mitschöpfer. Es gibt keine „richtige“ Interpretation — man muss sie erst erfinden. Das ist zugleich befreiend und eine große Verantwortung. Man spürt: Dieses Stück wird immer ein kleines Stück von mir in sich tragen.

Das Rosso-Corsa-Herz

The Strings SocietyNun die Frage, die uns beide strahlen und zugleich zusammenzucken lässt — denn The Strings Society schreibt Ihnen aus Italien, und unsere Gründerin ist, wie sie selbst fröhlich zugibt, ein lebenslanger Ferrari-Fan. Sie spielen einen Cremoneser Stradivari und tragen ihn in einem Rosso-Corsa-Kasten. Wo treffen sich für Sie heimlich das Cello und der Ferrari? Sie haben einmal einen hochdrehenden Motor mit einer Sopranistin verglichen, die in die hohen Töne aufsteigt — fühlt sich Musik für Sie jemals so körperlich an?

Emanuel GrafHaha, endlich kommen wir zum besten Teil! 😄 Cello und Ferrari treffen sich für mich an einem sehr persönlichen Punkt. Als Kind wollte ich tatsächlich Rennfahrer werden. Ich habe stundenlang Formel 1 geschaut und mir vorgestellt, selbst im Cockpit zu sitzen. Später entdeckte ich das Cello — und irgendwie sind beide in mir lebendig geblieben. In dem Artikel mit Ben Barry in Maranello wurde es plötzlich ganz real: mein Stradivari neben einem Ferrari 250 LM, der laufende Motor, die Töne, die sich vermischen. Deshalb ist mein Rosso-Corsa-Kasten kein Zufall, sondern ein kleines Stück Kindheitstraum, das mit mir reist. Der hochdrehende Motor hat für mich genau dieselbe Spannung und Schönheit wie eine Sopranistin, die frei in die Höhe aufsteigt. Und ja — Musik fühlt sich für mich sehr körperlich an. Nach manchen Konzerten bin ich genauso erschöpft und euphorisch wie früher nach einer schnellen Kart-Runde. Es ist dieselbe Mischung aus Kontrolle, Hingabe und diesem schönen Gefühl, dass Technik plötzlich zu Emotion wird.

Emanuel Graf
Foto: Sven Hannes

The Strings SocietyUnd, von einem Gläubigen zum anderen: Die Scuderia durch dick und (zuletzt sehr) dünn zu lieben, war so etwas wie ein Akt des Glaubens, nicht wahr?

Emanuel GrafAbsolut! Und wie! 😄 Ich bin inzwischen wirklich eng mit Ferrari verbunden — deshalb tut es richtig weh, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten. Man leidet mit ihnen, man flucht, man hofft … die klassische Ferrari-Beziehung. Aber in den letzten beiden Rennen haben wir endlich wieder eine richtig starke Leistung gesehen — und zuletzt sogar einen Sieg! Das fühlte sich an wie eine Erlösung. Irgendwie habe ich noch nie jemanden getroffen, der nicht zumindest ein kleines bisschen Ferrari-Fan ist. Selbst die eingefleischtesten Mercedes- oder Red-Bull-Anhänger haben meist eine heimliche Schwäche für die Scuderia. Es ist einfach diese italienische Mischung aus Drama, Schönheit und Hoffnung — das ist es, was die Menschen verbindet.

Zum Schluss

The Strings SocietyWenn Ihnen ein junger Cellist schriebe — unsicher, hoffnungsvoll, ein wenig verliebt in das Instrument —, was wäre das eine, das Sie ihm unbedingt mitgeben würden?

Emanuel GrafSpiel wahrhaftig. Alles andere kommt mit der Zeit. Technik, Sicherheit, die große Karriere — daran kann man arbeiten. Aber diese innere Ehrlichkeit, diese Bereitschaft, wirklich etwas von sich selbst zu geben, muss man von Anfang an trainieren und schützen. Bleib verliebt in dein Instrument — gerade an den Tagen, an denen es sich wie ein störrischer Esel anfühlt. Gerade dann. Denn diese Liebe ist das Einzige, was dich durch die vielen Stunden im Übezimmer und durch die unvermeidlichen Rückschläge tragen wird. Und such dir Menschen, mit denen du Musik machst, nicht nur Menschen, mit denen du Karriere machst. Die wahren Momente entstehen fast immer in Begegnungen, nicht in Wettbewerben. Kurz gesagt: Technik ist wichtig, aber sie ist nur das Boot. Liebe und Wahrheit sind das Segel.

The Strings SocietyUnd die allerkleinste Frage: Was legen Sie am Ende eines langen Tages auf, wenn Sie einfach nur hören und nicht jeden einzelnen Ton analysieren wollen?

Emanuel GrafNach wirklich langen Tagen höre ich meistens überhaupt keine Musik. Mein Gehirn und meine Ohren sind einfach voll. Die schönste „Musik“ ist dann oft die Stille — oder das leise Schnarchen meiner Kinder nebenan. Ansonsten bin ich allen Stilrichtungen gegenüber sehr offen. Mal Keith Jarrett, mal Bill Evans, mal italienischer Pop aus den 80ern, mal ein Hörbuch oder auch einfach Regen- und Meeresgeräusche. Solange es entspannt und nichts von mir verlangt. Keine Analyse, kein Urteil — einfach nur genießen.

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Emanuel wird wieder in Salzburg sein, mit David. Und wir werden auch dort sein — die Hände bereit zum Applaus, die Augen bereit, Zeugen zu sein, die Seelen offen, um erneut erschüttert zu werden, auf die bestmögliche Weise. Aus ihren Händen in unsere Kehlen.

Emanuel kehrt am 12. September 2026 für die Ausgabe 2026 des KlangBlickMomente-Benefizkonzerts in Salzburg auf die Bühne zurück.
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